Gestern vor zwei Jahren, am 1. August 2008, ging der Landkreis Mittelsachsen aus den drei Landkreisen Freiberg, Döbeln und Mittweida hervor.
Außerdem übernahm er zusätzlich kommunale Aufgaben vom Freistaat, darunter auch sechs Straßenmeistereien und – einmalig in Sachsen – das Fachschulzentrum in Freiberg-Zug. Gestern feierte unser Landkreis seinen zweiten Geburtstag. Dazu ein Interview mit Landrat Volker Uhlig:
Zwei Jahre Landkreis Mittelsachsen – Ihre kurze Bilanz?
Kurz vor der Kreisgebiets- und Verwaltungsreform standen viele Probleme im Raum. Diese betrafen vor allem den Aufbau einer neuen Verwaltung aus den bisherigen drei Altlandkreisen und die Integration der über 400 Landesbediensteten. Heute können wir konstatieren, dass wir sie gemeinsam gelöst und mittlerweile Schwachstellen erkannt haben. Diese gilt es zu beseitigen. Ein wichtiger Schritt war die Umstrukturierung der Verwaltung im Frühjahr dieses Jahres. Ich denke, dass der endgültige Prozess der Effektivierung des Landratsamtes noch ein bis zwei Jahre dauern wird.
Man spricht immer von drei Regionen – wann sprechen wir von einem Mittelsachsen?
Von Anfang an war die Einschätzung richtig, dass die Entstehung eines „Wir-Gefühls“ in Mittelsachsen im Vergleich zur letzten Reform längere Zeit braucht. Mittelsachsen ist eine Konstellation, welche wir akzeptieren müssen. Zur Stärkung des „Wir-Gefühls“ bedienen wir uns verschiedenster Brücken, wie der Kultur mit den Theatern und dem Mittelsächsischen Kultursommer. Gleiches trifft auf das Vereinswesen zu. Der Kreissportbund spielt hier eine herausragende Rolle. Wiederum gilt es, die Stärke Mittelsachsens in seiner Vielfältigkeit und Größe zu nutzen, zum Beispiel im Bildungsbereich. Trotz des Einigungsprozesses muss man immer akzeptieren, dass der Peniger genauso in seiner Region verwurzelt ist wie der Neuhausener oder der Leisniger. Und wenn wir dies beachten und die Brücken der Gemeinsamkeiten nutzen, gehen wir stetig den Weg zu einem „Wir-Gefühl“.
Stichwort Verwaltung: Seit 1. Juli ist eine Haushaltssperre in großen Teilen des Verwaltungshaushaltes ausgesprochen worden. Ab kommendem Jahr werden die Einnahmen durch Schlüsselzuweisungen sinken. Wo werden das die Einwohner spüren?
Es läuft immer nach gleichen Szenarien ab. Wenn eine Kommune – egal ob Gemeinde, Stadt oder Landkreis – kein Geld hat, beginnt die Rechtsaufsicht,
die Einsparpotentiale an den sogenannten freiwilligen Aufgaben vorzuschreiben. Aber das ist der Bereich, der das kommunale Leben attraktiv macht. Jeder Hilfeempfänger, der von Mitarbeitern des Landratsamtes soziale Leistungen erhält, empfindet das natürlich als Normalität. Schließlich gibt es darauf gesetzliche Ansprüche. Nur bei den freiwilligen, also nicht gesetzlich gesicherten Leistungen merken wir Ausfälle sofort, da sich deren Auswirkungen wie eine Kettenreaktion in Organisationen und Vereinen niederschlägt.
Sind die Finanzen eine der großen Herausforderung Mittelsachsens?
Natürlich. Auch in den haushaltsschwächeren Jahren wollen wir jeweils einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Das ist eine Grundlage, um Spielräume bei Investitionen zu haben. Einen wichtigen Schritt haben wir mit der Erarbeitung des Haushaltsentwicklungskonzeptes mit den Vertretern der Fraktionen des Kreistages getan. Als weitere Herausforderung sehe ich noch folgende Punkte: Wir müssen ein optimales Modell für die Betreuung der Hilfeempfänger im Bereich SBG II finden, welches die finanzielle Leistungsfähigkeit des Landkreises nicht einschränkt. Gemeinsam mit der Wirtschaft, der Bundesagentur für Arbeit und den Bildungseinrichtungen werden wir uns dem anstehenden Fachkräftemangel zu stellen haben. Unser Ziel ist dabei, dass das derzeit hohe Niveau an Beschäftigung auch langfristig gehalten werden kann. Auch die Aufrechterhaltung der sozialen und kulturellen Angebote sehe
ich als Schwerpunkt.
Wo sehen Sie Mittelsachsen in den kommenden Jahren?
Ich bin davon überzeugt, dass es uns gemeinsam gelingen wird, Mittelsachsen in der oberen Gruppe der sächsischen Landkreise zu halten. Ich hoffe, dass wir die Kommunikation mit der Wirtschaft und den Bürgern weiter verbessern und auch in Zukunft eine leistungsfähige Verwaltung anbieten können.